Über den Film

Über den Film

Was bedeutet es, viele der festen und ungeschriebenen Regeln ums Sprechen nicht einhalten zu können? Wie werden schweigende oder stille Menschen überhaupt in unserer Gesellschaft gesehen? Und gibt es Wege aus dem Schweigen?

Nicoleta hat seit über 20 Jahren kein Wort mehr gesprochen. Seit sie mit 13 etwas erlebt hat, das ihr das Sprechen nahm, verständigt sie sich über Gestiken und Mimiken. Irgendwann hat Nicoleta dann angefangen aufzuschreiben, was sie ihrem Gegenüber mitteilen will. Und sie schreibt Gedichte, Erzählungen und Romane, denn die Sprache wurde ihr nicht genommen.
Immer sprechen können – das möchte Simone. Sie kann sich nur in vertrautem Umfeld wirklich frei bewegen und sprechen, eigentlich sogar nur, wenn sie alleine mit ihrer Familie ist. Oder wenn sie eines der Videos für ihren Youtube-Kanal über Selektiven Mutismus aufnimmt. Dann ist sie in einer Rolle, das hilft ihr. Wenn Simone auf der Bühne steht, fühlt sie sich frei, kann sprechen, singen, tanzen, lachen.

Der Dokumentarfilm STILLE STIMMEN begleitet Nicoleta im Alltag und gibt durch gemeinsam visualisierte Textauszüge einen Einblick in ihr kreatives Schaffen. Von Simones Leben wird in einer eigens gedrehten Tanzperformance und Videos aus ihrem Youtubekanal erzählt. So spürt der Film ganz persönlichen, aber auch gesellschaftlichen Bedeutungen des (Nicht‑)Sprechens aus dem Blickwinkel der Protagonistinnen nach.

Entstanden ist der Film als Teil meiner Masterarbeit im Curriculum Visuelle Anthropologie der Universität Göttingen.

Auszug aus Stille Stimmen.

Text & Zeichnungen Nicoleta Craita Ten'o
Sprecherin Simone Dräger
Animation Ute Seitz