Mutismus


Mutismus

Mutismus kommt vom lateinischen mutus, stumm. Das medizinische Nachschlagewerk Pschyrembel beschreibt den Begriff folgendermaßen: „Spre­chun­fähigk­eit (Stumm­heit, Nicht‑Sprechen) bei intaktem Sprachvermögen und intakten Sprech­or­ganen“. Schaut man genauer hin, umfasst die Bezeichnung Mutismus mehrere Krankheitsbilder. Wenn Menschen etwa gänzlich verstummen, meist nach einem traumatischen Ereignis, wird in Medizin, Psychologie und Sprachtherapie von Totalem Mutismus gesprochen. Wenn sie dagegen nur in bestimmten Situationen nicht sprechen, lautet die Diagnose Selektiver Mutismus.

Für die Protagonistinnen in STILLE STIMMEN hat Mutismus dementsprechend unterschiedliche Bedeutungen. Simone beschreibt die erste Begegnung mit der Diagnose als Schlüsselmoment. Die mit Selektivem Mutismus in Zusammenhang gebrachten Symptome sind zum Beispiel eine ausgeprägte Stressreaktion in Kommunikationssituationen, das Vermeiden von Blickkontakt sowie eine steife Körperhaltung und Mimik. Diese Symptome fand Simone bei sich wieder - ein befreiendes Gefühl, nicht damit alleine zu sein. Für Nicoleta dagegen ist Mutismus eine von vielen (teils wechselnden) Diagnosen, die es allesamt nicht vermögen, etwas an ihrer Lebenssituation zu ändern.

Das Ziel von STILLE STIMMEN ist es nicht, ein umfassendes Bild von Mutismus vermitteln, sondern dem nachzuspüren, was die Unfähigkeit zu sprechen bedeuten kann. Deshalb spielt Mutismus als Krankheitsbild im Film keine besonders große Rolle. 

Mehr Informationen, vor allem zu Selektiven Mutismus, finden sich etwa auf den spannenden Seiten von Mutismus Selbsthilfe e.V. und StillLeben e.V. Die beiden Vereine haben in den letzten Jahren viel dazu beigetragen, Mutismus bekannter zu machen, über Therapiemöglichkeiten aufzuklären und eine Plattform für den Austausch Betroffener und deren Eltern geschaffen.

Auszug aus Stille Stimmen

Choreographie & Tanz  Simone Dräger
Komposition & Cello  Caspar Ruben Deboor
Konzeption, Kamera & Schnitt Ute Seitz